27. Juli 2026 · Duftwissen
IFRA und Allergene: Warum Eichenmoos anders riecht
Warum ein Klassiker von 1970 heute nicht mehr riecht wie damals.
2 Minuten Lesezeit
Wer alte Parfums kennt und die aktuellen Versionen daneben riecht, bemerkt oft einen Unterschied. Die üblichen Erklärungen lauten "die sparen am Material" oder "früher war alles besser". Meist stimmt beides nicht. Der eigentliche Grund heißt IFRA: ein Regelwerk, das die Einsatzmengen bestimmter Duftstoffe begrenzt, weil sie Allergien auslösen oder die Haut sensibilisieren können. Das hat ganze Klassiker zur Neuformulierung gezwungen.
Was die IFRA ist
Die International Fragrance Association ist der Branchenverband der Duftstoffhersteller. Ihre Standards sind formal freiwillig, faktisch aber verbindlich: Praktisch jedes seriöse Haus hält sie ein, und die EU-Kosmetikverordnung greift viele davon auf. Grundlage sind toxikologische Bewertungen, keine Geschmacksurteile.
Der bekannteste Fall: Eichenmoos
Eichenmoos war jahrzehntelang das Rückgrat der Chypre-Familie: erdig, herb, unverwechselbar. Zwei enthaltene Verbindungen erwiesen sich als starke Kontaktallergene, und ihre zulässige Menge wurde drastisch begrenzt. Heute kommt allergenarmes Eichenmoos zum Einsatz, dem ein Teil der Herbheit fehlt. Chypre-Düfte klingen deshalb heute weicher als vor vierzig Jahren.
Was auf der Verpackung stehen muss
In der EU müssen derzeit 26 als allergen eingestufte Duftstoffe namentlich in der Inhaltsstoffliste erscheinen, wenn sie eine bestimmte Konzentration überschreiten. Namen wie Linalool, Limonen, Citral oder Coumarin sind deshalb keine bedenklichen Zusätze, sondern natürliche Bestandteile ätherischer Öle. Die Liste wurde inzwischen deutlich erweitert.
Was das für dich bedeutet
Für die allermeisten Menschen: nichts. Wer auf einen dieser Stoffe reagiert, findet ihn dank der Deklarationspflicht auf der Packung. Auf unseren Produktseiten steht die vollständige INCI-Liste unter Inhaltsstoffe, zusammen mit den Sicherheitshinweisen.
Kurz gefragt
Was ist die IFRA?
Der Branchenverband der Duftstoffhersteller. Seine Standards begrenzen die Einsatzmengen von Stoffen, die Allergien auslösen können.
Warum riechen alte Parfums heute anders?
Weil regulierte Rohstoffe wie Eichenmoos ersetzt oder begrenzt wurden und die Häuser neu formulieren mussten.
Fazit
Regulierung hat der Parfümerie einiges genommen und viel gegeben: weniger allergische Reaktionen, mehr Transparenz und Rohstoffe wie Sandelholz, die es sonst kaum noch gäbe. Was in einem Duft steckt, sollte man lesen können.