24. Juli 2026 · Duftwissen
Extrait de Parfum: Warum 20–30 % Duftöl alles ändern
Der Unterschied zwischen EdT, EdP und Extrait ist keine Marketingstufe, sondern eine Frage der Konzentration, mit sehr konkreten Folgen.
3 Minuten Lesezeit
„Extrait" klingt nach Aufpreis. Tatsächlich beschreibt der Begriff etwas sehr Nüchternes: den Anteil an Duftöl in der Flasche. Und dieser Anteil entscheidet über fast alles, was du im Alltag von einem Parfum wahrnimmst: wie lange es hält, wie weit es trägt, wie oft du sprühen musst und wie sich der Duft über den Tag verändert. Wer das einmal verstanden hat, kauft anders ein: nicht nach Milliliterpreis, sondern nach dem, was tatsächlich in den Millilitern steckt. Hier ist der Unterschied zwischen Eau de Toilette, Eau de Parfum und Extrait de Parfum ohne Marketing.
Die Konzentrationsstufen in Zahlen
- Eau de Cologne: etwa 2–5 % Duftöl
- Eau de Toilette: etwa 5–15 %
- Eau de Parfum: etwa 15–20 %
- Extrait de Parfum: ab etwa 20 %, häufig bis 30 % und mehr
Diese Bandbreiten sind Konvention, keine Norm. Verbindlich geregelt sind über die IFRA-Standards nur Einsatzhöchstmengen einzelner Stoffe, nicht die Bezeichnungen. Der Rest ist im Wesentlichen Alkohol und Wasser. Ein Extrait kann also zwei- bis dreimal so viel Duftöl enthalten wie ein Eau de Parfum, bei gleicher Flaschengröße.
Was das für die Haltbarkeit bedeutet
Als grobe Orientierung: Ein Eau de Toilette trägt oft zwei bis vier Stunden, ein Eau de Parfum vier bis sechs, ein Extrait sechs bis acht Stunden oder deutlich länger. Das sind Richtwerte, keine Garantien: Hauttyp, Temperatur und die Duftfamilie selbst verschieben diese Zahlen erheblich. Zitrische Noten verfliegen grundsätzlich schneller als Harze und Hölzer, egal in welcher Konzentration. Vergleiche einmal die zitrische mit der holzigen Familie.
Sillage: die Spur, die du hinterlässt
Sillage beschreibt die Duftspur, die bleibt, wenn du einen Raum durchquerst. Höhere Konzentration bedeutet meist mehr Sillage, aber nicht linear. Ein gut gebauter Extrait projiziert in der ersten Stunde deutlich und zieht sich danach näher an die Haut zurück. Genau dieses Verhalten macht ihn alltagstauglicher, als die Zahl vermuten lässt.
Extrait de Parfum im Alltag: weniger sprühen, nicht mehr
Der häufigste Fehler beim Umstieg: dieselbe Sprühmenge wie beim Eau de Toilette. Bei einem Extrait genügen ein bis zwei Sprühstöße. Drei sind fast immer zu viel. Nicht weil der Duft schlecht wäre, sondern weil dein eigener Geruchssinn nach wenigen Minuten abstumpft und du dann nachlegst, was andere längst deutlich wahrnehmen.
Rechne einmal nach: Wenn du statt vier nur zwei Sprühstöße brauchst, hält dieselbe Flasche doppelt so lange. Der höhere Preis pro Milliliter relativiert sich damit spürbar.
Kurz gefragt
Wie lange hält ein Extrait de Parfum?
Als Richtwert sechs bis acht Stunden, oft länger. Hauttyp, Temperatur und Duftfamilie verschieben das deutlich.
Wie viele Sprühstöße braucht ein Extrait?
Ein bis zwei. Drei sind fast immer zu viel, weil der eigene Geruchssinn nach Minuten abstumpft.
Fazit
Extrait de Parfum ist keine Luxusstufe, sondern eine Bauform: mehr Duftöl, weniger Alkohol, dichtere Entwicklung, längere Haltbarkeit. Wer gern intensiv und lange riecht und bereit ist, sparsamer zu sprühen, fährt damit besser, auch rechnerisch. Bei seventhscent ist der 70-ml-Flakon die Regel; welche Konzentration ein Duft hat, steht bei jedem Produkt.